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Sommerwanderfahrt 2013
Oberrhein statt Moldau



Rast in Ludwigshafen.

 

Neuwied, 03. August 2013.


Eigentlich sollte die Sommerwanderfahrt 2013 auf Moldau und Elbe von Prag nach Dresden gerudert werden, aber das dramatische Hochwasser Mitte des Jahres auf der Elbe hatte die Lage in dieser Region unkalkulierbar gemacht, so dass kurzerhand auf den Oberrhein umgeplant wurde, der sich als bekannt schönes Ruderrevier von seiner besten Seite gezeigte.


Acht NRG-er hatten sich angemeldet um die 276 Kilometer lange Wasserstrecke von Rastatt nach Neuwied im Zeitraum vom 27. Juli bis 3. August 2013 in sechs Tagesetappen zurückzulegen.
Ein besonderes Merkmal der diesjährigen Tour war der urig-rustikale Charakter ohne Landdienst und viel Luxus, denn Gepäck und Verpflegung mussten wasserdicht verpackt an Bord mitgeführt werden. Abends wurde selbst gekocht oder gegrillt.


Der Start der großen Tour erfolgte in Rastatt auf dem Goldkanal, einem Altrheinarm, der heute neben Wassersportlern und Anglern auch gerne von heimischen Badegästen aufgesucht wird.
Das idyllisch gelegene Bootshaus des Ruder-Club Rastatt war gar nicht einfach zu finden. Selbst die Navigationsgeräte hatten ihre Schwierigkeiten. Nach einigem Fragen und Probieren kamen jedoch der Bootstransport glücklich in Rastatt an und die Insassen wurden von der freundlichen Bootshauswirtin Martina Küchel begrüßt und mit Getränken und kleinen Speisen auf der großen sonnigen Terrasse mit herrlichem Blick auf das Gewässer gestärkt.

Wenig später konnten wir auch Jannis und Darek am Bahnhof abholen, die mit der Bahn nach Rastatt angereist waren und beim Umsteigen in Karlsruhe eine kleine "Ehrenrunde" im richtigen Zug, jedoch leider in der falschen Richtung, eingelegt hatten.
Das Abendessen nahmen wir im Bootshaus a la Carte ein und machten noch bei einem wunderschönen Sonnenuntergang einen Spaziergang zum Ufer bzw. eine kleine Nachtwanderung.


 


















Am nächsten Tag stand nach dem Frühstück zunächst das Einsammeln von Jürgen und Christine auf dem Programm, die sich strategisch geschickt in einer Pension in der Nähe von Speyer einquartiert hatten und mit dem Zug zum Startpunkt in Rastatt gekommen waren. Sogleich ging es noch dem obligatorischen Gruppenfoto (veröffentlicht in der Lokalpresse auf Seite 1!) auf die 56 km lange Etappe Rastatt - Speyer. Das Gepäck musste erst mal an Bord seinen Platz finden, aber dann schwamm alles wunderbar über der Wasserlinie und es konnte los gehen.

Nach rund drei Kilometern auf dem Goldkanal erreichten die beiden Crews schon bald den fließenden Oberrhein bei Stromkilometer 347, der in diesem Bereich einige Kilometer lang die Staatsgrenze zwischen Deutschland/Baden-Württemberg (rechtsrheinisch) und Frankreich (linksrheinisch) bildet.

Das Wetter war zugezogen und eine Pause in Germersheim nutzte Petrus, um seine Schleusen zu öffnen. Glücklicherweise saßen wir in der Germersheimer Wirtschaft im Trockenen und fuhren erst nach dem Schauer weiter.

In Speyer angekommen begrüßte uns der Erste Vorsitzende Alfred Zimmermann von der Rudergesellschaft Speyer, in deren Bootshaus wir uns gemütlich einrichten und kochen durften. Wie immer auf Ralle's Wanderfahrten gab es am ersten Tag Spaghetti, weil man da quasi nichts falsch machen kann und es sich langsam auf Wanderfahrtenniveau "einkochen" lässt.

Im Dunklen ging es spät am Abend in die Stadt, wo die meisten Ruderer im Biergarten der Domhof Hausbrauerei diverse isotonische Kaltgetränke zu sich nahmen.




Tag 2 hatte die "Hammeretappe" Speyer - Worms auf dem Programm. Nach einer Pause auf der Ludwigshafener Pritsche (mit Gruppenfoto von einem Profi-Fotografen) erreichten die beiden Boote nach 44 Kilometern die zweite Domstadt der Reise Worms. Dort wurden wir von Klaus Wenzek vom Ruder-Cub Blau-Weiß begrüßt und eingewiesen.

Beim Abendessen hatte Christine die Hosen an, den es gab Curry-Hühnchen, ein Gericht, dass sich der Fahrtenleiter eigensinnigerweise auf jeder Wanderfahrt von Meisterköchin Christine wünscht. Dazu ein riesiger Salat.
Der Gang in die Wormser Altstadt führte zunächst zu der von der halben einheimischen Bevölkerung empfohlenen Eisdiehle in der Nähe des Doms an deren Theke (gefühlt) die andere Hälfte der Wormser geduldig anstand, um eines der galaktischen Eiswunder zu ergattern und auf dem Platz zu genießen. Der Rückweg zum Bootshaus führte dann über einen spontanen Absacker in der Kuba-Lounge, in der wir sehr viel Spaß hatten.


























Der dritte Tag der Wanderfahrt zeigte sich bei schönstem Sonnenschein. Nun lag die "Entspannungsetappe" Worms - Erfelden (34 km) vor den Ruderern. Wir waren ja im Urlaub !


Bei Kilometer 468 sollten laut Plan beide Boote vom Rhein in den romantischen 16 Kilometer langen Erfelder Altrheinarm abbiegen. Dabei hatten die Obleute die Kunst zu vollbringen, die Boote in die schmale Einfahrt ("Mauseloch") zu bugsieren und dabei zahlreiche Faktoren wie Strömungsgeschwindigkeit des Rheins, eigene Geschwindigkeit, Einfahrtwinkel, Schiffsverkehr, Wellenschlag, Wassertiefe, Getränkepegel, Laberfaktor der Mannschaft und Volumen der aufgetragenen Sonnencreme so zu berechnen, dass eine Kollision mit der Uferbefestigung oder Hindernissen unter Wasser vermieden wird. Kurz gesagt: Die Flugbahn eines Kometen im Zentrum der Milchstrasse zu berechnen ist deutlich einfacher als in den Erfelder Altrheinarm reinzufahren!
Schon vor der Tagesetappe wurde die heikle Stelle ausführlich besprochen, um Panik zu vermeiden. Obfrau Birgit Odrosek absolvierte mit ihrem Zweier "Wandervogel" dieses Manöver mit einem so großartigen und spektakulären "Drift", dass die Ruderer nachher wieder und immer wieder ihre Geschichte von dem "hollywoodreifen Erfelder Boots-Stunt" hören wollten, was ihr offenkundig auch sichtlichen Spaß bereitete, denn sie hat die Details der Einfahrt rund 50 Mal erzählt, wobei es von Mal zu Mal immer abenteuerlicher wurde.


Am Bootshaus des Darmstädter Schwimm- und Wassersportvereins wurden wir von den Erfelder Wassersportfreunden sehr freundlich empfangen und erhielten erst einmal eine ausführliche Einweisung in die Haustechnik. Jürgen und Christine besorgten den Einkauf im Supermarkt und wir durften auf dem großen Grill unsere Steaks und Würstchen auflegen, die wir anschließend auf der schönen Terrasse an einer festlich gedeckten Tafel genießen konnten.


Auf dem Abendprogramm standen zu später Stunde einige Runden Kniffel und noch einige Nachbrenner der schier unendlichen Erzählsalven der bereits erwähnten "Driftstory". Dann hieß es "alle Fenster und Lucken dicht", denn die Mücken sind abends in Erfelden unerbittlich. Wenigstens hatten wir diesmal den Luxus von Betten.









































Die vierte Etappe von Erfelden nach Ingelheim (52 km) entpuppte sich als brütend heißer Sommertag. Kein Wökchen stand am Himmel. Vorsorglich hatten wir enorme Wasserdepots an Bord. Sonnencreme Lichtschutzfaktor 30 war Minimum. Alle Regeln des Sonnenschutzes auf Wasser wurden genutzt. Es soll sogar Ruderer gegeben haben, die ihre Hose auszogen und mit kühlem Rheinwasser getränkt als Kopfbedeckung genutzt haben, um der sengenden Hitze ein wenig zu entgehen.



Beim Mainzer Ruderverein fuhren beide Boote in den Hafen ein und genossen am Rheinufer gekühlte Getränke aus der Bootshausgastronomie. Jürgen klinkte sich aus taktischen Gründen frühzeitig aus, um mit dem Zug von Mainz nach Worms zu fahren, wo noch sein Auto stand. Beim Ablegen und der anschließenden Ausfahrt aus dem Mainzer Hafen hörte das letzte Boot verzweifelte Rufe von Land. Nanu ? Das klang doch nach Jürgen, den wir schon alle längst im Zug nach Worms wähnten. Was war passiert ? Nachdem wir Jürgen am quasi letzten Steg des Hafens mit dem Vierer eingesammelt hatten, berichtete er der erstaunten Mannschaft, dass der ganze Bahnverkahr in Mainz zum Erliegen gekommen war und er deshalb unverzüglich zum Bootshaus zurück gekommen war. Das war knapp ! Fast wäre er in Mainz "gestrandet". In den kommenden Tagen erfuhren wir dann in den Medien die Gründe für die Bahnquerelen, denn im Stellwerk fehlte Personal.


Knusprig braun gebruzzelt kamen wir in Ingelheim an, das für Wein, Spargel und Feste bekannt ist und in dem Karl der Große die Kaiserpfalz bauen ließ. Frank Hildebrandt vom Ruderverein Ingelheim begrüßt uns am Bootshaus und wir lagerten die Boote auf dem Gelände des benachbarten Hafenbetriebs. Weil wir reichlich erschöpft waren und keiner mehr Lust hatte einzukaufen und zu kochen, gingen die meisten am Abend einfach in eine nette Pizzeria.












Am fünften Tag unserer Wanderfahrt, scheuchte Christine uns schon um kurz vor neun Uhr aus den Schlafsäcken zum Einkaufen ins Städtle. Unmengen an Wasser und ein vernüftiges Frühstück mussten herangetragen werden, denn wieder standen 50 extrem sonnige Ruderkilometer auf dem Programm.



Die Passage der anspruchsvollen Gebirgsstrecke verlief ohne besondere Vorkommnisse. Aufgrund der Hitze mussten wir jedoch in Bacharach und am Ehrentaler Werth Badepausen einlegen, bevor wir das Etappenziel beim Ruderclub Germania Boppard erreichten.



Hier wurden die Wanderruderer von den mit dem Auto entgegengereisten Familien Burgard und Wolf in Empfang genommen. Traditionell bleibt am letzten Abend der Sommerwanderfahrt die Bord-Küche kalt und wir gingen mit der erweiterten Mannschaft ins Restaurant Römerburg, wo wir glücklicherweise mit 16 Personen an einer langen Tafel Platz fanden und wunderschön zu Abend essen konnten.


















Der sechste Tag brachte einen kleinen Wetterwechsel an. Beim Frühstück auf der Terrasse in Boppard schien noch die Sonne, doch bereits bei der Pause in Lahnstein zog sich der Himmel immer mehr zu. Bei Koblenz ging ein so heftiger Platzregen nieder, dass man kaum noch Sichtweite hatte und sich die beiden Boote unter eine Rheinbrücke beiziehungsweise in den Ehrenbreitsteiner Hafen flüchten mussten. Doch beim schon bald zeigte sich die Sonne wieder.
Stolz und ein klein wenig erschöpft sowie mit vielen neuen Eindrücken bereichert erreichte die kleine Flotte dann am Nachmittag nach 276 Kilometern das NRG Bootshaus.



Nach dem obligatorischen gründlichen Reinigen der Boote hatten Christine und Jürgen Kloos Kaffee und Kuchen im Clubraum organisiert, der einen schönen Abschluss dieser gelungenen Tour bildete.
"Schade, dass die Tour schon zu Ende ist. Ich wäre gerne noch viel weiter den Rhein hinunter gerudert" konstatierte am Ende NRG Jugendruderer Jannis Pinsdorf, für den diese erste große Wanderfahrt in seinem Leben sicherlich ein unvergessliches großes Abenteuer war.






Obmann Ralf Schaefer verabschiedete sich mit dieser Sommerwanderfahrt von seiner insgesamt sechsjährigen Tätigkeit als Fahrtenleiter, in der er Sommerwanderfahrten auf der Donau von Passau nach Wien (2008), auf den Berliner Seen (2009), auf Elbe und den Hamburger Kanälen (2010), der Vecht und den Kanälen nach Amsterdam (2011), dem Hochrhein von Konstanz nach Basel (2012) sowie dem Oberrhein von Rastatt nach Neuwied (2013) organisiert hatte. Es wäre schön, wenn jemand in den kommenden Jahren diese Tradition aufnehmen und weiterführen würde.



Die Teilnehmer der Sommerwanderfahrt 2013: Birgit Odrosek, Darek Odrosek, Jannis Odrosek, Christine Kloos, Jürgen Kloos, Ralf Schaefer, Angela Nestler, Jannis Pinsdorf.



Bericht: Ralf Schaefer




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Links zur Wanderfahrt:

Zur Gewässerbeschreibung:

[zur Gewässerbeschreibung]
Ruder-Club Rastatt 1898: [zur Vereinshomepage]
Rudergesellschaft Speyer 1883: [zur Vereinshomepage]
Wormser Ruder-Club "Blau-Weiß": [zur Vereinshomepage]
Darmstädter Schwimm und Wassersportclub 1912: [zur Vereinshomepage]
Ruderverein Ingelheim 1920: [zur Vereinshomepage]
Ruderclub Germania Boppard: [zur Vereinshomepage]


Übersicht: Ralle's Wanderfahrten 2008-2013:

Auf der Donau von Passau nach Wien (2008)

[zum Bericht der Wanderfahrt]
Auf den Berliner Seen und Kanälen (2009): [zum Bericht der Wanderfahrt]
Elbe und Hamburger Altserkanäle (2010): [zum Bericht der Wanderfahrt]
Vecht und holländische Kanäle bis Amsterdam (2011): [zum Bericht der Wanderfahrt]
Hochrhein von Konstanz bis Basel (2012): [zum Bericht der Wanderfahrt]
Oberrhein von Rastatt nach Neuwied (2013): [zum Bericht der Wanderfahrt]


 


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